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Ich komme spät nach Hause -
Giora Feidman’s Klezmer
Warum ist die erste Form der Kommunikation zwischen Mensch und Mensch – die von Mutter und Baby – Musik? Wie spricht Musik? Brauchen wir Töne, um Musik zu produzieren? Das sind nur einige der Fragen, die der von den Medien als "israelischre Wunderklarinettist" gefeierte Giora Feidman stellt. Intensiv ist dieser Mann, ein philosophierender, musizierender Derwisch, der sich über all diese Fragen Gedanken macht und seine Antworten begeistert weitergibt. Giora Feidman ist maßgeblich an der Wiederbelebung der durch die Pop-Musik verdrängten Klezmer-Tradition in Amerika, Israel und Europa beteiligt.
Der Film begleitet den Musiker Feidman auf Konzerte in Konzerthäuser, Synagogen, in Proberäume, wo er mal Einzel- und mal Gruppenunterricht gibt, auf die Straße, wo er mit seinen Freunden und Musikern aus aller Welt musiziert und improvisiert. Und er begleitet den Lehrer Feidman in seine Meisterklasse "The Art of Klezmer", die er 1995 in der Musikhochschule Lübeck unterrichtete.
Gerade im Umgang mit den jungen Meisterschülern wird Feidmans theoretischer Ansatz deutlich, den er in intensiven Gesprächen mit dem Filmemacher erläutert. Ja, Klezmer ist jüdisch, sagt er. Geprägt von der Thora, die Musik und dem jüdischen Gebet, das Singsang ist. Geprägt von der zweitausendjährigen Wanderung der Juden, die von überallher musikalische Einflüsse aufnahmen. Aber Klezmer ist für Feidman trotzdem weniger „jüdische Musik“ als „Musik“. Wie alle andere Musik auch übernational, global, eine menschliche Sprache.
„Brauchen wir Töne, um Musik zu produzieren?“, beginnt er seinen Unterricht. Er zeigt seinen Schülern, dass gemeinsame Stille die erste Musik ist, die sie zusammen hervorbringen können. Feidman doziert nicht nur. Er lässt die jungen Musiker die Stille dirigieren, ihren Puls singen. Er will seine Ideen erlebbar machen.
Im Einzelunterricht wird Feidmans völkerübergreifendes „Klezmer“-Konzept noch anschaulicher. „Klezmer“ heißt „Instrument der Musik“. Und Feidmans Instrument der Musik ist zunächst sein Körper. Durch ihn und den Atem wird die „innere Stimme“ in den Tönen der Klarinette hörbar. „Die Klarinette ist das Instrument meiner Seele“, sagt der Lehrer. Eine derartige Intensität, ein solch intimes Konzept von Könnerschaft, verwandelt den Unterricht manchen Schülers in Therapie. Viele Barrieren müssen durchbrochen werden, bevor die „innere Stimme“ sich herauswagt und in den Tönen der Klarinette zum Ausdruck kommt.




