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Edgar Hilsenrath
Das Ausland hat ihn zum Bestsellerautor gemacht, in Deutschland ist er immer noch ein Geheimtipp. Die Biographie Edgar Hilsenraths (1926 in Leipzig geboren) ist die moderne Odyssee eines deutsch-jüdischen Schriftstellers, eines Außenseiters, der seine Identität und Heimat immer wieder neu gewonnen und verteidigt hat: Im Schreiben in der Sprache seiner Ausgrenzer.
1938 vor den Nazis nach Rumänien geflohen, wurde er 1941 nach Transnistrien deportiert, dem rumänisch okkupierten Teil der Ukraine - der Todeszone der Bukowiner Juden. Im Ghetto der Ruinenstadt Mogilev-Podolsk überlebte er den Kampf aller gegen alle ums tägliche Brot, floh nach der Befreiung über Bukarest nach Israel und wanderte anschließend über Lyon nach New York aus. Dort schrieb er - auf deutsch - seinen ersten Roman ”Die Nacht”, und den Roman „Der Nazi und der Frisör“, der zuerst 1971 auf englisch erschien und der ihn weltberühmt machen sollte. 1975 siedelte er schließlich nach Berlin über, um mit der Sprache leben zu können, in der er seine Bücher schrieb.
Der Film begleitet Edgar Hilsenrath auf einer Reise an die Stationen seiner Vergangenheit. Von der Schule in Halle an der Saale, dem Ort erster Diskriminierungen, geht es nach Sereth in Rumänien, der Stadt seiner Großeltern, in der er am glücklichsten gewesen ist. Hier in Sereth, das damals von deutschsprachigen Juden geprägt war, trifft er nur noch drei Überlebende. In Cernowitz besucht Hilsenrath den jiddischen Dichter Josef Burg. Wir folgen ihm weiter auf seinem Weg über New York in seine Heimat Berlin und erfahren aus alten Fernsehaufzeichnungen, wie er und seine Arbeit damals in Deutschland aufgenommen wurde - mit Schweigen, Ablehnung, ja Aggression.
Aus Begegnungen mit Menschen, Gesprächen mit Hilsenrath, alten Photos und literarischen Texten wird eine verloren gegangene Welt für kurze Zeit lebendig. Der Zuschauer wird dabei zum Komplizen des Dichters auf Spurensuche. Durch den Erzähler hat er Teil an Hilsenraths innerem Dialog mit seinem unsichtbaren Gesprächspartner, von dem er sagt: ”Das Gesicht des Fremden trägt meine Züge. Der Fremde ist immer anwesend, immer.“




